“Tudong” auf Wanderschaft in den Bergen

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Tudong ist Thai und stammt von dem Pali-Wort „Dhutanga“ ab. Das sind die 13 asketischen Praktiken, die der Buddha seinen Mönchen ans Herz gelegt hat. Dazu gehört z.B. nur eine Mahlzeit am Tag, zu sich zu 20151224_142757.jpgnehmen, in freier Natur unter einem Baum zu leben, nur drei Roben zu besitzen etc. Letztendlich geht es darum, zu trainieren, mit so wenigen Dingen wie möglich zufrieden zu sein. Außerdem kitzeln diese freiwillig auferlegten Trainingsregeln die Unreinheiten an die Oberfläche des Geistes. So bekommt man die Gelegenheit, sich mit ihnen auseinander zu setzen.

 

20151224_162504.jpgTudong ist also die angewandte Praxis von Dhutanga und das ganze, meist auf Wanderschaft von einem Kloster zum anderen. Dabei geht es nicht so sehr darum, irgendwo anzukommen. Die Wanderschaft selbst ist das Ziel und die Entwicklung der eigenen Qualitäten im Reinheitswandel des Mönchs. Auf Tudong zu gehen, ist für mich eines der schönsten Dinge der Welt. Nur mit dem nötigsten im Gepäck durch die Wälder ziehen, ohne festen Plan, nur den Moment genießend. Das ist Freiheit!



 

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Früh am Morgen ließen wir unser kleines Tam-Wua-Paradies hinter uns und machten uns auf den Weg nach Pang Mapha.Es war der 23. Dezember – einen Tag vor Weihnachten.

 

 

 

 

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Am Abend erreichten wir den höchsten Gipfel der Region. Ein atemberaubender Ausblick eröffnete sich uns. Das war ein würdiger Platz für die Vorweihnachtsnacht. Wir schlugen unser Camp auf und genossen die Ruhe nach der langen Wanderschaft.

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Am kommenden Morgen machten wir uns auf zum Pindapata (Essensspenden sammeln). Es gab nur ein paar kleine Hütten in der Umgebung. Eine ältere Dame aus dem pah o hilltribe überreichte uns einen Schokodrink. Das sollte unsere Weihnachtsmahlzeit für den Tag gewesen sein. Wir tranken den braunen Nektar in Würde und machten uns dann auf den Weg.

 

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Nach zwei Stunden kamen wir an einem Shan Dorf vorbei. In den Bergen Nord-Thailands leben viele verschiedene Urvölker, die seit Jahrhunderten ihre Kultur bewahrt haben. Sie tragen ihre traditionellen Trachten und sprechen ihre eigene Sprache. Die Kulturen sind teils sehr verschieden, somit gibt es immer etwas Neues zu sehen in den vielen Dörfern, durch die wir wanderten. Heute war es ein Shan-Dorf. In unserer Bettelschale landete also auch Shan- Food. Wir waren froh, dass wir noch vor 12 Uhr ein Dorf erreichten (Mönche essen nur bis mittags). Somit gab es doch noch ein kleines Weihnachtsmahl.

20151224_125555.jpgNach dem Essen ging es wieder auf Tour. Ein kleiner Dorfjunge kam uns entgegen und bot uns an, uns den Weg zu zeigen. Dankend nahmen wir sein Angebot an. Wir konnten ihn nicht davon abhalten, auch unsere Taschen zu tragen. Die meisten Hlltribe-Bewohner sind keine Buddhisten, dennoch respektieren sie die Mönche sehr. Einige Zeit folgten wir ihm über Felder und Wiesen. Die Landschaft hatte etwas von den Schweizer Alpen. Sanfte Hügel mit Kühen auf den Weiden, gaben ein richtiges Almfeeling.

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Dann wurde der Pfad unwegsamer. Wir kletterten über Felsen und hangelten uns an Schluchten vorbei. Plötzlich blieb der Dorfjunge stehen und zeigte auf den dichten Dschungelabhang vor ihm. Die Straße musste irgendwo da unten sein. Der Abhang schien kaum überwindbar zu sein, aber wir waren schon einige Stunden gelaufen und somit gab es jetzt kein Zurück mehr. Wir gaben unserem kleinen Tour-Guide einen Buddha- Schlüsselanhänger als Dankeschön und verabschiedeten uns.

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Ok, jetzt hieß es, Zähne zusammenbeißen und durch. Der Wald war großenteils von einem Dornenteppich übersät und die Schlingpflanzen machten das Durchkommen sehr mühsam.

 

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Als wir nach Stunden “Dschungelkampf” 😆 im Tal ankamen, waren wir voller Dornen, aber überglücklich das Hindernis überwunden zu haben.

 

20151224_162504.jpgNach zwei weiteren Stunden Wanderschaft kamen wir an einen klaren Fluss. Gerettet! Genügend Trinkwasser und ein herrlich kühles Bad. Das hatten wir uns wirklich verdient! So schön kann Wasser sein. Nach unserer Erfrischung im Fluss war es nur noch ein kurzer Fußmarsch, bis wir an einem wunderschönen Waldkloster ankamen. Merry Christmas! Das war mal ein erlebnisreicher Weihnachtstag.

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Wir verbrachten einige Tage in dem Kloster. Wat Mae Lang ist ein ausgezeichneter Retreat-Platz. Es gibt einige Höhlen und überhängende Felswände, die der Abt zu Meditationsplätzen ausgebaut hat.

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Das Kloster liegt in einem friedlichen Tal, umringt von grünen Gemüsefeldern. Die Bewohner aus dem nahe gelegenen Dorf versorgten uns mit ihrem frischen Gemüse, Reis und Früchten.



 

Coffin Cave

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Nach zwei Nächten machten wir uns wieder auf den Weg. Dieses Mal hauptsächlich auf der Straße. Diese wurde gerade mit neuem Asphalt 

20151226_134450.jpgversehen. Der Teer klebte an unseren Fußsohlen und machte das laufen nicht gerade einfach.

20151226_134752.jpgAußer der Straße war kein anderer Weg passierbar. Also haben wir uns kurzerhand Schuhe gebastelt.

 

Ein paar Stücke Plastik-plane vom Straßenrand, ein wenig Band und fertig ist der neue Mönchsschuh.

 

 

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Am Abend machten wir halt an einem Fluss, um zu baden, unsere Wasserflaschen aufzufüllen und die Roben zu waschen. Dann kletterten wir hoch hinauf zu einer bekannten Höhle in dieser Region: “The Coffin-Cave”.

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In dieser Höhle wurden schon vor über 3000 Jahren Leichen begraben. Genauer gesagt, wurden sie in Särgen aufgehängt (siehe Bild links). Die Angehörigen glaubten, dass so die Seele den Weg besser in den Himmel findet. Noch heute findet man überall Särge in der Höhle.

 

 

20151226_162247.jpgEs gehört zu einem der Dutanghas (asketische Praktiken), auf dem Friedhof bzw. Leichenfeld zu schlafen. Die Höhle war also der richtige Platz für uns. Wir schlugen unser Lager auf und richteten uns ein. Wenn wir an einen neuen Platz ankamen, war eines unser ersten Aktionen zu chanten. Damit erzeugten wir gute Vibrationen und stimmen die Wesen an dem Ort auf uns ein.

 

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Wir laden die Deva (Engel im Buddhismus) ein und praktizieren Metta Bavana, eine Meditation der liebevollen Güte. Tejapala war krank an dem Tag, er hatte schwer zu kämpfen mit der Hitze, dem langen Wandern und dem Gepäck. Die Coffin-Cave war ihm nicht geheuer. Er chantete für eine lange Zeit. Später sah ich die Strichliste auf seiner Hand. Es waren über 80 Chants gewesen, jetzt sollte der Platz wirklich sicher sein 😊

20151226_175447.jpgThais erzählen gerne Geistergeschichten am Lagerfeuer. Es kursiert ein Haufen Storys, auch über diese Höhle. So spielt die Fantasie natürlich ihren eigenen kleinen Horrorfilm. Ich schlief ungemein gut in der Höhle, außer den Geräuschen der Fledermäuse, war kaum etwas zu hören. Mein kranker Bruder erholte sich auch gut in der Nacht. So konnten wir am nächsten Tag frisch und munter die nächste Etatte antreten…

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