Hilfe für Aung Myae Oo

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Drei unvergessliche Wochen in der Klosterschule Aung Myae Oo gehen zu Ende. Es war eine Zeit voller intensiver Eindrücke und wertvoller Erfahrungen. Ich habe als Volontär ausgeholfen und das Hilfsprojeckt meiner Freunde unterstützt. Vieles habe ich bewirken können in den letzten Wochen und Vieles haben die kleinen Mönche und Nonnen in mir bewirkt. Bevor ich jedoch näher auf meine Erfahrung in der Klosterschule eingehe, hier erstmal ein paar Infos über AMO.

Aung Myae Oo

2016-02-25-07-43-54-798049665.jpegist eine Schule für Kinder aus armen Familien und Waisenkinder in Sagaing Hill/Myanmar. Die Schule wurde 2003 vom buddhistischen Mönch Venerable Vilasa („Ponchi“) gegründet und ist seither ständig gewachsen. Besuchten im ersten Schuljahr noch 31 Kinder die Schule, sind es im Jahr 2016 über 2500. Aung Myae Oo ist damit die zweitgrößte Klosterschule Myanmars.

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Die Kinder wohnen in der Schule selbst oder sind in den umliegenden Klöstern untergebracht. Mehrheitlich sind es junge Novizen und Nonnen, die nach buddhistischen Traditionen und Werten erzogen werden. Der Unterricht ist für alle Schülerinnen und Schüler kostenlos. Die Schule wird ausschließlich von Spendengeldern finanziert.

Ziele

1. Allen Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen – vor allem Kindern aus sehr armen 2016-02-25-07-42-45-563069478.jpegFamilien, die das Schuldgeld nicht bezahlen können.

2. Kinder nach modernem, zeitgemäßem Standard zu unterrichten.

3. Die Kinder nach den Werten der burmesischen Kultur und Religion zu verantwortungsbewußten Erwachsenen zu erziehen.

Entwicklung

imageDer Grundgedanke war es, Kindern aus armen Verhältnissen eine Bildung zu ermöglichen. In der Zwischenzeit wird die Schule von Kindern aus der Umgebung,  wie auch aus den ärmsten und entlegensten Regionen Myanmars besucht. Oft sind es Waisenkinder, denen die Schule eine neue Heimat bietet. Viele der Kinder wohnen in der Schule selbst oder in den umliegenden Klöstern.

imageZusätzlich zur Primarstufe wird nun auch eine anerkannte Oberstufe angeboten. Neben Englischkursen finden gelegentlich auch Computer-Trainings statt. Die Schule legt großen Wert auf die persönliche, religiöse und ethische Erziehung der Kinder.


Meine Erfahrung in Aung Myae Oo

 

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Am 29. Januar landete mein Flieger in Mandalay. Ich reiste zusammen mit einer Gruppe Laien von dem Ang-Thong-Kloster nahe Bangkok, in dem ich zuvor gelebt hatte (siehe Artikel “Hilfe für Myanmar”). Die ersten vier Tage besuchten wir verschiedene Klöster und bekannte Pagoden in Mandalay und in den Bergen bei Pyin Oo Lywin. Die Thai-Gruppe war hauptsächlich nach Myanmar gereist, um Spenden an Klöster zu geben.

imageWir hatten 600 Mönchstaschen im Gepäck, die es zu verteilen galt. Ich führte die Gruppe auch nach Aung Myae Oo, wo sie 1400 Dollar spendeten. Am  2.  Feb. machte sich die Gruppe wieder auf den Rückweg nach Thailand und ich konnte mich ganz der Klosterschule widmen.

imageIch wurde herzlich in AMO aufgenommen! Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, ging es auch gleich an die Arbeit. Jeden Abend unterrichtete ich 2 Stunden Englisch, für die Lehrer der Schule. Schriftlich sind sie ganz gut drauf, aber sprechen ist bei den meisten Burmesen (selbst den Lehrern) kaum angesagt.

imageDaher sprechen sie oft nur gebrochenes Englisch oder Sie haben einen sehr starken Akzent. Sogar die Englischlehrer an den Universitäten, sind teilweise schwer zu verstehen. Speaking -Classes sind deshalb essenziell für die AMO-Lehrer. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen! Ich habe den Unterricht lebendig gestaltet, mit Videos, Diskussionsrunden und kleinen Theaterstücken.

20160214_0815151.jpgNeben dem Unterricht,  gab es noch eine Menge anderer Aufgaben in AMO. Das Kloster hat einen kleinen Behandlungsraum, in dem die Kinder medizinisch versorgt werden. Es fehlt jedoch an Medikamenten und besonders an geschultem Personal. Eine Lehrerin, die eine kleine medizinische Fortbildung erhalten hat, kümmert sich hauptsächlich um die Kinder. Die Krankheiten werden jedoch häufig nicht erkannt und daher falsch behandelt.

Besonders bei Infektionskrankheiten führt das zu schneller Ausbreitung in der Schule. Ein Hautpilz ist auf fast allen Kinderköpfen zu sehen. Im Moment sind es die Windpocken,  die rumgehen.

20160214_081456.jpgJeden Tag  kamen Kinder mit Fieber und den typischen Hautbläschen zu mir. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wären da nicht die “Superinfektionen”. Die Kinder waschen sich selten und auch die Kleidung ist meistens sehr schmutzig. So dringen Bakterien in die offenen Bläschen ein und die Haut entzündet sich. Unbehandelt können die Geschwüre recht groß werden; sie schmerzen und erzeugen hohes Fieber.

20160214_081955.jpgNeben der Behandlung von den Kindern, steht Hygiene-Training für die Lehrer und medizinischen Betreuer auf dem Programm. Das Wissen über Hygiene und Krankheitsübertragung ist in Burma sehr gering. So wird z. B. das Thermometer von einem Mund in den anderen geschoben,  ohne es zwischendurch zu desinfizieren. Auch die Untersuchungsliegen werden kaum gereinigt. So breiten sich Krankheiten (besonders Windpocken) schnell aus.

Die Betreuer sind sehr offen für neue Ideen. Sie würden gerne etwas verändern, wissen jedoch nicht wie.  Ab und zu kommen Volontäre ins Kloster die aushelfen und Wissen weitergeben. Das ist im Moment jedoch noch recht selten.
sam_1750.jpgDeshalb ist ein weiterer Job in AMO “Kloster tour guide”. Jeden Tag kommen ein Haufen Touristen ins Kloster, die etwas über die Schule wissen möchte. Darunter sind auch viele potentielle Volontäre. Wenn sie gute Informationen und Betreuung erhalten, werden sich sicher mehr Besucher dazu entschließen, zu bleiben oder später nach AMO zurückzukommen.
20160216_112055.jpgIn der ersten Woche meines Aufenthalts, fand das sechs monatiges Jubiläum des “Clean and Health Projekt” statt. Das wurde von meinen Schweizer Freunden Silva und Veronika gegründet (die drei Monate in AMO verbrachten. hier ihre Webseite) und wird von den Schülern und Lehrern weitergeführt. Am Anfang wurden große reinigungsaktionen organisiert, Im moment konnte ich jedoch nicht all zu viel von ihrer Arbeit im Kloster erblicken. Das liegt unter anderem daran, das es an reinigungsmaterialien und einer guten organisation fehlt. was sich bald ändern wird.

20160210_131752.jpgDie Kinder hatten etwas Geld zusammen gespart um das kleine Fest auf die Beine zu stellen. Die ganze Nacht waren sie am kochen um uns am Morgen das Frühstück servieren zu können. Ich war gerührt von der Fürsorge und Liebe, die sie in die Vorbereitungen gesteckt hatten. Die Kids wollten ihre Lehrer und Betreuer ehren und taten das mit ganzem Herzen.
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Mangelnde Sauberkeit ist ein wichtiges Thema in AMO. Müll lieg überall! In den Klassenräumen, auf dem Schulhof, selbst in der Klinik. In meinem Zimmer leben 3 Mäuse, die fröhlich unter meinem Bett spielen und ab und zu hoch kommen, um mich am Ohr zu schlecken. Durch die mangelnde Hygiene entstehen viele Krankheiten, die sich leicht ausbreiten. Aufklärung, Motivation und die Erstellung von Reinigungsplänen und Hygiene-Richtlinien etc. sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer sauberen Schule mit gesunden Kindern.

20160216_112933.jpgUm eine gute Basis dafür zu schaffen und ein Zeichen zu setzen, rief ich einen Putztag aus. Alle packten mit an, sogar die ganz kleinen. Wir wirbelten die Besen, räumten alte Lager aus und richteten die Räume neu ein. Nach getaner Arbeit sah die Schule wesentlich besser aus. Die Frage ist nur für wie lang? Solche Aktionen sind wichtig, um die Richtung zu weisen. Um jedoch langfristig etwas zu verändern, müssen wir umfassend arbeiten und uns die ganze Klosterstruktur anschauen.
20160216_084136.jpgMeine Hauptaufgabe in AMO war es,  herauszufinden, was die Klosterschule benötigt. Anhand der gesammelten Infos habe ich eine Prioritätenliste erstellt. Meine Freunde aus der Schweiz haben einen Verein gegründet und schon einiges an Spenden sammeln können (ca. 10.000 $). Diese sollten jetzt bestmöglich eingesetzt werden.

20160214_174822.jpgEin paar Tage war ich unterwegs auf Shoppingtour. Neue Besen,  Mülleimer, Körbe, Ventilatoren etc. mussten angeschafft werden. Wagenladungen voll  Material wurden angekarrt. Auch neue Möbel waren dringend notwendig.

Der Unterricht findet teilweise auf dem blanken Boden statt, weil nicht genügend Bänke und Tische zur Verfügung stehen. Geschlafen wird auf Kisten und wo auch immer ein Plätzchen zu finden ist. Diese Zustände können wir auf jeden Fall verbessern.

20160216_144018.jpgUm neue Möbel zu besorgen,  geht man in Burma jedoch nicht zu Ikea, sondern zum Tischler. Jedes einzelne Teil wird von Hand gefertigt. Der Tageslohn eines Tischers in Myanmar liegt bei etwa  5 Euro. Das ist schon viel! Lehrer erhalten ca. 45 Euro im Monat. Einige Stunden saß ich mit dem Kloster-Tischler zusammen und verhandelte die Preise. Auch die Installation von den Ventilatoren musste mit dem Elektriker besprochen werden.

So verbrachte ich einige Zeit mit Einkauf und Planung.
sam_2021.jpgDie Lebensbedingungen in der Schule erscheinen für Europäer teilweise würdelos. Im Vergleich zu anderen Klosterschulen Burmas ist AMO jedoch recht wohlhabend! NGOs aus Australien, Süd Korea, der Schweiz und regionale Spender unterstützen die Schule. AMO ist deshalb in wenigen Jahren von einer kleinen Dorfschule zur zweitgrößten Klosterschule Myanmars gewachsen. Die Quantität stieg gewaltig an (31 Schüler 2003, 2500 Schüler in 2016; geplant  3000Schüler  in 2017).  Die Qualität blieb jedoch auf der Strecke. Neue Gebäude werden direkt von großen NGOs finanziert, um schulinterne Angelegenheiten muss sich jedoch selber gekümmert werden.

sam_2006.jpgUm eine Klosterschule dieser Größe zu leiten, braucht es eine gute Organisations-Struktur. Wie in jeder westlichen Schule oder Firma sollte es verschiedene Abteilungen geben. Finanz-Büro, Lager Meister, Hausmeister, Bibliothekar, Schulleitung, etc.  Stundenpläne zur Regelung von Gebäudereinigung, Kinderbetreuung, medizinischer Versorgung usw. sind selbstverständlich für uns. In AMO ist all das kaum vorhanden, das  führt zwangsläufig zu Problemen.

sam_1767.jpgSelbstverständlich können wir hier keine europäischen Verhältnisse erwarten. Andere Klöster in der Region, haben jedoch ein excellentes Management und können für uns ein gutes Beispiel abgeben. Mögen die Bedingungen auch noch so einfach sein, es liegt an uns, was wir daraus machen. Schon der Buddha schaffte es vor 2500 Jahren, seine Klöster gut durchzuorganisieren.

sam_1788.jpgUm etwas zu verändern, braucht es zunächst Information und Motivation. Deshalb habe ich zu den Aktionsgruppen, den Lehrern und auf dem Schulfest zur ganzen Gemeinschaft gesprochen.  Daraufhin hatten wir regelmäßig Meetings mit den Lehrern und Mönchen. Wir haben Ideen gesammelt,  Richtlinien festgelegt und eine neue Organisationsstruktur entworfen.

 

In Sagain gibt es sehr viele Klosterschulen. Einige davon sind hervorragende Beispiele, von denen wir lernen können.  Ich habe einige Schulen besucht, um ihr Erfolgsrezept herauszufinden.

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der Abt von Phaung Daw Oo

Ich konnte viele Ideen sammeln und Kontakte herstellen. „Phaung Daw Oo Monastic Education High School” in Mandaly, ist die größte Klosterschule Myanmars mit 8000 Schülern. Ein Ehepaar aus England hat die Schule mit aufgebaut. Eine excellente Schule mit teils westlichem Standard ist entstanden. Volontäre aus aller Welt geben Schulungen in den Bereichen Medizin,  Kindergarten, modernen Unterrichtsmethoden, Kloster-Organisation usw.

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Kloster-Büro in PDO

Das war ein Hauptgewinn für uns! Eines der Dinge die AMO am dringendsten braucht, ist know how. Deshalb werden ca. 15 Lehrer aus Aung Myae Oo in den nächsten Monaten zum Training nach Phaung Daw Oo gehen.

Ich hoffe, dass sie mit dem neuen Wissen, der verbesserten Organisation und den Spenden gute Bedingungen für alle Schüler und Lehrer schaffen können.

Für mich ist es jetzt erstmal Zeit, abzufahren. Mein Lehrer U Revata hat mich gebeten, zurück ins Mutterkloster Pa Auk Tawya zu kommen.

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Aung Myae Oo wird mich jedoch nicht so schnell wieder loslassen. Die vielen kleinen “Mini-Mönche”  und “Mini-Nonnen” habe ich tief in mein Herz geschlossen. Auch die liebenswürdigen Lehrerinnen und Lehrer bleiben mir unvergessen.                                                So  „one thing is for sure …  I’ll be back soon 😉

 

Über Telefon und Internet bleibe ich in Kontakt mit den Lehrern und Mönchen vor Ort. So kann ich sie weiterhin unterstützen und auch die Spendengelder besser verwalten.


 

Next Projekt

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screenshot_2016-02-18-18-03-26.pngWir haben gerade eine große Spende von einer Foundation aus Italien erhalten. Sie möchten ein Schulhaus für AMO bauen. Den Bauplan dafür  habe ich schon zusammen mit einem Bruder aus Pa Auk (meinem Mutterkloster) erstellt. Er hat 25 Jahre als Architekt gearbeitet, bevor er die Roben angelegt hat. Wir haben also professionelle Unterstützung von allen Seiten. Das Grundstück ist schon gekauft, vermessen und bereit zum Bau.

20160218_180620.jpgWenn alles glatt läuft, können wir schon bald mit dem Bau beginnen. Da das Grundstück ca. 15 Min. zu Fuß entfernt vom Hauptcampus liegt, wird es zwangsläufig eine eigenständige neue Abteilung des Hauptklosters werden. Wir planen im Moment ca. 200 Schüler. Eine komplette Infrastruktur muss errichtet werden. Strom, Wasser, Toilettenblocks, Büro, medizinischer Behandlungsraum, Schlaf- und Unterrichtsräume, Bibliothek, etc.

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Ein Neubau ist auch immer ein Neubeginn. Auf dem neuen Gelände können frische Ideen wachsen und einfacher umgesetzt werden. Bisher wurde der Bau des Klosters nicht richtig durchdacht. Deshalb entstehen jetzt viele Probleme und hohe Kosten. Diesmal können wir es besser machen. Der Master-plan,  den ich gerade mit dem Architekten entwerfe, ist langfristig angelegt und beinhaltet alles, was notwendig ist, für eine gut funktionierende Klosterschule.

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Dasselbe gilt für die Organisation. Die Neuerungen, die im alten AMO nur langsam umgesetzt werden können, werden in dem neuen Bereich schnell  Fuß fassen können. Das Projekt wird sicher viel Zeit und Mühe kosten, aber ich freue mich auf die kommenden Herausforderungen.

sam_1729.jpgJeder, der Lust hat, mit anzupacken, ist herzlich eingeladen. Wir suchen immer Volontäre in verschiedenen Bereichen. Als Englischlehrer, in der Klinik, in der Kinderbetreuung usw. Wenn ihr Interesse habt, schreibt mir einfach (mokkhita@gmail.com) oder schaut mal auf unserer schweizer Aung-Myae-Oo-Webseite vorbei. Dort findet ihr auch noch mehr Infos zur Schule, Volontariat und Spenden. Für mehr infos zu aktuellen aktivitäten, besucht unsere burmesische Webseite.

In diesem Block könnt ihr verfolgen, wie es weitergeht. Fortsetzung folgt bald …

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  1. Pingback: Mudita Projekt

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